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Magister Mirko

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Posts posted by Magister Mirko

  1. Die Unterführung Teil 4

    von Mirko Stauch

     

     

    Was macht man Stunden in der Dunkelheit? Eingesperrt in einem gro?en Raum. Sich mit der Situation abfinden und alles tun, nicht in Panik zu geraten. Mit einer Erkältung konnte ich ohnehin rechnen, also setzte ich mich auf den Boden, zog meinen Mantel enger um mich und schlo? die Augen, versuchte, eine meditative Haltung einzunehmen und mich ganz auf meinen Atem zu konzentrieren. Doch meine Gedanken schweiften ab, meine Konzentration lie? nach, schlie?lich nickte ich ein.

    Als ich aufschrak, wu?te ich nicht, wieviel Zeit vergangen war. Einen kurzen Moment durchjagte mich Panik, da ich mich in einem Traum gefangen glaubte. Mit tiefen Atemzügen kam die Orientierung zurück. Etwas hatte mich aufgeschreckt. Mit geringer Hoffnung versuchte ich die Richtung auszumachen, in der die Rolltore liegen mu?ten, konnte von dort aber nichts hören. Aber ein Geräusch nahm ich wahr. Dort war etwas. Zu leise für einen Menschen und viel zu leise für ein Rolltor. Was ich hörte glich einem Wispern, einem leisen Berühren des Bodens wie von einem kleinen Tier. Ratten. Mein erster Gedanke. Es mu?ten Ratten sein. Was sonst konnte sich hier unten noch befinden? Mit Abscheu zog ich meinen Mantel enger um mich. Jetzt nur nicht wieder einschlafen. Diese Nagetiere könnten das als Einladung empfinden. In meinen Taschen suchte ich nach etwas, das ich zur Abwehr gegen diese Viecher benutzen konnte. In meiner leisen Verzweiflung versuchte ich, den Ausstellungskatalog zusammenzurollen, um mich mit diesem improvisierten Prügel verteidigen zu können. Ich schlug mit meiner Waffe auf den Boden und dann hörte ich eine Weile nichts mehr. Hatte ich die Biester vielleicht vertrieben?

    Dann ri? mich der nächste Schreck mit Gewalt zurück ins Wache. Ein Knirschen und Quietschen. Das waren nicht die Rolltore, sondern eine schwere Tür. Wieder versuchte ich, die Quelle des Geräuschs auszumachen, es schien von allen Seiten her zu kommen. Wie spät war es? Hoffnung. Da könnte ein Mensch eine Tür geöffnet haben. Laut rief ich etwas in die Dunkelheit hinein. Keine Antwort. Ich wiederholte mein Rufen. Absolute Stille. In solchen Situationen neigt man dazu, seinen angespannten Sinnen alle möglichen Gemeinheiten zu unterstellen, aber ich war vollkommen klar, allein die Panik stieg in mir hoch. Unter völliger Anspannung horchte ich in die Dunkelheit hinein, doch das Pochen meinem Schädel hätte jedes Geräusch überlagert. Seltsam genug, da? ich mich wieder mit der Situation abfand. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis mich endlich der Alltag aus dieser Situation befreien würde. Meine Waffe fester umfassend, schlo? ich die Augen - hatte ich sie überhaupt geöffnet? - und konzentrierte mich wieder auf meinen Atem. Ruhe bewahren. Da war nichts.

    Und wieder mu? ich eingenickt sein. Schwer vorstellbar dort unten, eingesperrt in der Schwärze. Doch diesmal war es ein Geräusch. Und diesmal kam es wirklich von allen Seiten, nein, es waren mehrere Geräuschquellen. Ein Flüstern. Nur da? dieses Flüstern nicht von Menschen stammen konnte, denn es klang gepre?t und wurde begleitet von einem schleifenden Geräusch, das von der einen Seite näher kam, sich auf der anderen Seite entfernte. Wieder die Ratten? Ich verstehe nichts von Nagetieren, wu?te aber, da? dieses Geräusch von etwas stammen mu?te, da? deutlich schwerer als eine Ratte war. Hunde oder Katzen? Aber das eigenartige Flüstern widersprach dieser Theorie. Vollkommen konzentriert bewachte ich meine Umgebung. Mit meinen Fingern tastete ich vorsichtig meine Augen ab, um sicher zu sein, da? ich sie auch geöffnet hatte. ?ber dieses Verhalten konnte ich nur kurz lächeln. Irgendwelche streunenden Tiere hielten sich hier unten auf und ich verhielt mich wie ein Verrückter. Ich bin Rationalist und wei?, da? es für jedes Phänomen eine vollkommen natürliche Ursache gab. Um diese Tiere von mir fernzuhalten, schlug ich wieder mehrere Male mit dem zusammengerollten Katalog auf den Boden und die Geräusche erstarben. Doch dann rutschte etwas Gro?es über den Boden, genau auf mich zu und nun zerri? mich die Angst. Ein Keuchen und Flüstern näherte sich mit einer ekelhaften schleifenden Bewegung. Kurz hielt es inne, dann kroch es weiter auf mich zu. Mit meiner Waffe schlug ich wild um mich, hämmert panisch auf den Boden und hörte nichts mehr. Dafür nahm ich einen durchdringenden Geruch auf, der wie Ammoniak meine Nasenschleimhäute verätze, dann ein leises Atmen. Vor mir war etwas. Ich zog mich zusammen, versuchte, mich nicht zu bewegen. Falls es ein Tier war, dann wollte ich es nicht weiter auf mich aufmerksam machen. Ich konnte seine Gegenwart spüren, als würde sich die Dunkelheit seines Körpers von der mich umgebenden Schwärze abheben. Meine Sinne täuschten mich nicht. Es kann nicht sein. Dort vor mir, keine zwei Meter entfernt kauerte etwas Gro?es, das dunkler war als die Dunkelheit. Und es schob sich näher. Ein Flüstern ging von der Kreatur aus, wurde von allen Seiten mit Geräuschen beantwortet. Umzingelt von etwas nicht näher Bestimmbaren. Ich schrie um Hilfe. Rollte mich zur Seite und berührte etwas Warmes. Was auch immer ich berührt hatte, zuckte zurück und wich mit einem grollenden Geräusch. In Panik versuchte ich mich aufzurichten, aber meine Beine waren wie gelähmt. Der Geruch wurde stärker, kam näher, ein rasselnder Atem wurde ausgesto?en und dann kroch etwas schwer über meine ausgestreckten Beine. Wie von Sinnen schlug ich um mich, schrie und meine Stimme überschlug sich, doch konnte ich meinen Körper aufrichten und dann rannte ich los, prallte gegen einen Pfeiler und spürte Blut aus einer Wunde am Kopf über mein Gesicht rinnen. Dann sah ich die mich umgebende Schwärze angefüllt von tiefschwarzen, sich in alle Richtungen bewegenden Brocken. Ich sah, wie die Schwärze sich bewegte, betete um Ohnmacht, betete, da? es schnell gehen möge, denn für mich bestand kein Zweifel mehr: Tod.

    Durch das tobende Schwarz gellte ein Geräusch, viel mehr: ein Ruf. Nie werde ich vergessen können, was ich hörte. Die mich vor einigen Augenblicken noch fixierende keuchende Masse stie? diesen Ruf aus. Es war kein Tiergeräusch: Jaktar ikelli. Jaktar ikelli. Zumindest phonetisch scheint dies eine treffliche Wiedergabe zu sein. Jaktar ikelli. Immer wieder. Von allen Seiten her schnaufte, schabte und keuchte es, als wollten die schwarzen Dinger antworten. Mit hastigen Bewegungen zogen sie sich zurück. In der Mitte blieb die massige Gestalt. Dann kroch auch sie langsam zurück, ihre Geräusche entfernten sich langsam. Ohne Vorwarnung sprangen die Lichter an und die Rolltore begannen zu quietschen. Mit einem Schlag fand ich die Richtung und sah noch die offene Tür des Wartungsraums. Etwas verschwand dort. Meine Neugier besiegte meine Panik, da ich, im Licht, mich im Vorteil glaubte und so rannte ich zu der Tür. Was auch immer es war, es lie? die Tür geöffnet. Mit allem Mut rannte ich zur Tür und durch einen schmalen Gang, der in einem roh behauenen Tunnel mündete. Etwa 10 Meter entfernt sah ich noch einen schwarzen massigen Körper in ein Loch gleiten. Dann besiegte mich wieder die Angst und ich floh durch den Ausgang neben dem Wartungsraum nach oben. Ich wei? noch, da? ich tief die Morgenluft einatmete, kurz stehenblieb und mich umsah. Dann nach Hause.

    Mein Erlebnis erscheint wie eine Ausgeburt der Phantasie, ein Gewitter überspannter Nerven, der klaustrophobischen Situation geschuldet, doch es ist alles wahr. Ich habe die Kratzspuren an meinem Bein als Beweis. Aus meiner Kleidung ist der Geruch nicht mehr zu entfernen. Ich bewahre sie in einem Beutel auf, als eindeutiges Zeichen.

    Die Warnungen blieben unbeachtet. Aber ich wei?, da? es dort unter uns, unter den Städten, eine Existenz gibt. Eine intelligente Lebensform. Seither habe ich mich kaum noch unter die Erde begeben.

  2. Die Unterführung Teil 3

    von Mirko Stauch

     

    Eine Zeit lang schaukelte ich mich an der Vorbereitung dieser Attacken gegen die Verwaltung hoch, dann aber kam mir die Idee, den Laden zu untersuchen. Es gab dort mit Sicherheit ein Telefon. Dafür hätte ich einbrechen müssen und dieser Gedanke war mir unangenehm. Die Tür war selbstverständlich verschlossen und mit einem Sicherheitsschlo? gesichert. Nun gab es die Möglichkeit, die Scheiben zu zertrümmern, aber das wollte ich mir als ultima ratio vorbehalten. Noch war die Situation nicht so abgerutscht, noch wollte ich nicht zum Einbrecher werden und die Scherereien auf mich nehmen müssen. Aber ich behielt diese letzte Möglichkeit.

    Wann fuhren die ersten Züge? Gegen vier. Schnell suchte ich das Schild mit den Ladenöffnungszeiten: 6.30 Uhr an den Werktagen. Vorher mu?te der Laden beliefert werden, vielleicht gegen 6.00 Uhr. Mit Glück wurde die Unterführung schon früher geöffnet, mit viel Glück schon so früh, da? man die ersten Züge erreichen konnte, wenn man durch die Unterführung ging. Meine Uhr zeigte 23.55. Mit Glück also etwa vier Stunden warten, dann einige Erklärungen abgeben, vielleicht auch nicht, wenn mich niemand sähe. Wieder blickte ich auf meine Uhr: 23.55. Der Sekundenzeiger bewegte sich nicht. Mit einem leichten Schock stellte ich fest, da? meine Uhr defekt war. Offenbar hatte sie während des Schlagens gegen die Rolltore Schaden genommen und war stehengeblieben. Also bestand keine Möglichkeit mehr, die Wartezeit mit beruhigender Mechanik zu verfolgen. Das reine Warten. Mit der Hoffnung, an die ich nicht recht glaubte, richtete ich mich auf dieses Warten ein. Die Zeit konnte ich also nicht mehr messen, aber einige Aktivitäten wollte ich mir ausdenken, damit mich die Langeweile nicht zermürbte. Au?erdem hatte ich noch den Austellungskatalog bei mir, den ich studieren konnte. In Wartezimmern pflegte ich immer die unmöglichsten Dinge zu zählen. Ich zählte Lamellen der Rollos, die Zeitschriften, die Stuhlbeine, die Fliesen, alles. Und das nur, wenn ich mich nicht auf ein Buch oder eine Zeitschrift konzentrieren konnte. Also fing ich an, die Säulen zu zählen, 18. Dann die Neonröhren an der Decke 125 funktionierende und 23 kaputte, zwei fehlten. Als ich schlie?lich anfing, die Quadrate zu zählen, welche die Decke aufteilten, durchfuhr mich ein Schreck. Die Neonröhren wurden dunkel. Reihe für Reihe setzte das Licht mit einem leichten Knall aus. Die Dunkelheit kam auf mich zu, Reihe für Reihe, bis sie sich dann über mich ergo? und gegen die hinter mir liegende Wand brandete. Es war stockdunkel. Kein Licht mehr. Nicht vom Schnellimbi? gegenüber, nicht aus dem Tabakladen. Seit ich hier war, mu?te etwa eine halbe Stunde vergangen sein oder mehr. Warum ging das Licht erst jetzt aus? Ich machte mir keine Hoffnungen auf einen einsamen Techniker, der irgendwo sa? und das Licht manuell ausgeschaltet hatte, mit Sicherheit wurde das Licht per Zeitschaltuhr gesteuert. Warum aber zu nach verhältnismä?ig so langer Zeit? Absichtliche Stromverschwendung.

    Trotz der jetzt noch schlechteren Situation, nahm ich alles gelassen hin. Verschlechtern konnte sich nun nichts mehr. Ich wunderte mich über meine Ruhe und über die Abgeklärtheit, mit der ich die Ironie der Situation betrachtete. Es wurde kühl, aber es blieb still. Keine Geräusche, die man hier unten erwarten würde, nichts, das über den Boden huschte, kein Knacken und auch kein Sirren von irgendwelchen Aggregaten, kein verschwommener Lichtpunkt zeichnete sich ab, keine geheimnisvolle Leuchtquelle, nur vollkommene Stille und Dunkelheit. Und das Geräusch meines eigenen Atems und das Rauschen meines Blutes im Kopf. Gelegentlich hörte ich das dumpfe Grollen eines Autos.

  3. Die Unterführung Teil 2

    von Mirko Stauch

     

    n der Unterführung gab es noch zwei Geschäfte. Vor ein paar Jahren noch waren dort noch ein Schnellimbi?, eine kleine Boutique und ein Taschenbuchladen, aber nach und nach wurden die Umsätze schlechter und es wurde oft eingebrochen und Sachbeschädigung verübt. Um dem Herr zu werden, wurde die Unterführung nachts geschlossen. Das hielt aber niemanden davon ab, die Unterführung zu verwüsten und als Urinal zu benutzen. Die Graffitis wurden mehr und sogar gelegentliche ?berfälle nahmen zu. Aber nicht nur normaler Diebstahl und Schlägereien fanden dort statt, sondern gewisse Angriffe, für die man keine Erklärung fand. Immer wieder wurden Menschen in der Nähe des Wartungsraums angegriffen. Der Wartungsraum lag am zweiten Nordeingang hinter einer roten Tür. Dort kam es zu ?bergriffen, die keinen kapitalen Hintergrund hatten, sondern nur Ausbruch reiner Gewalt waren. Man hat dort zwar Kameras installiert, aber die ?berfälle nahmen kein Ende. Auf den ?berwachungsvideos konnte man jedoch nie etwas Verdächtiges ausmachen.

    Damals hielten sich nur noch ein Tabak- und Zeitschriftenladen und der Schnellimbi?. Die Unterführung ma? etwa 100 Meter und hatte vier Ausgänge. Symmetrisch verteilten sich tragende Säulen im Raum und genau in der Mitte befand sich ein im Durchmesser 10m gro?es Achteck. Dort befand sich der Tabakladen. Der Imbi? am westlichen Ende.

    Die letzte Bahn war weg und ich beschlo? zur Beruhigung meiner Nerven eine kleine Flasche Cognac am Bahnhofskiosk zu kaufen. Ich trank ein wenig und das Brennen gab mir ein wenig Realität zurück. Schnell nahm ich die Stufen abwärts und lief am Kiosk vorbei. Dort sah ich mir die Auslage an und dann hörte ich ein quietschendes und schleifendes Geräusch. Die schweren Rolltore wurden herabgelassen, an allen vier Ausgängen gleichzeitig. Zu meiner Bestürzung geschah das sehr schnell. Erschrocken sah ich mich um, versuchte den nächstliegenden Ausgang zu bestimmen, war aber unschlüssig und verwirrt. Die abscheuliche Ausstellung, meine Verwirrung und der Alkohol ergaben eine schlechte Mischung. Ich wu?te nicht, wohin und so sah ich die Rolltore herabrasseln und gewahrte das harsche Klicken, mit dem sie einrasteten und verschlossen wurden. Verärgert über meine Unfähigkeit, überwand ich meine kurze Paralyse und rannte auf eines der Tore zu, hämmerte mit den Fäusten dagegen und rief laut um Hilfe. Natürlich geschah nichts. Dann rannte ich in Richtung des Wartungsraums, denn dort waren die Kameras. Warum hatte man nicht jedes Tor unter Bewachung gestellt? Warum hat man nur diesen Eingang mit Kameras....

    Das Rolltor war zu. In Panik trommelte ich mit den Fäusten dagegen, stellte mich vor die Kameras und winkte, rief, brüllte und führte einen Tanz auf. Die Kameras blickten stur auf mich herab, unter ihren Objektiven zwinkerten mir die roten Leuchtdioden teilnahmslos zu. Minutenlang hatte ich gegen das Rolltor geschlagen, getreten und hatte gebrüllt, geschrien und mich in Panik vor dem Kameras bewegt. Nichts. Auch die rote Feuerschutztür des kleinen Wartungsraums habe ich mit einem Trommelfeuer von Faustschlägen überzogen, habe an der Klinke gerüttelt, nichts. Erschöpft und au?er Atem lehnte ich an der Wand und versuchte meine Gedanken gegen das Rauschen in meinen Ohren wieder für mich hörbar zu machen. Wie konnte ich mich bemerkbar machen? Es gab hier unten keine Feuermelder, keine Notrufsäule, keine öffentlichen Telefone, denn wegen der anhaltenden Verwahrlosung des Ortes und der ständigen Sachbeschädigungen hatten man alles demontiert. Ein Schild für den Notausgang sah ich nirgends. Es war schlicht nicht vorgesehen, da? man einen Notausgang benutzen mu?te.

    Ich lief die Tore ab und versuchte an jedem, etwas zu hören, hämmerte wieder gegen das Metall und hoffte auf eine Reaktion. Es war nicht vorstellbar, da? man die Tore automatisch herablie?e. So was wurde von Hand gemacht. Doch diese Aktion brachte nichts. Ich mu?te mich damit abfinden, ein Gefangener zu sein. Ich ging in die Mitte des Raums und setzte mich auf den Boden, an das Schaufenster des kleinen Tabakladens gelehnt. Die Hoffnung, da? ein Nachtwächter oder ähnliches hier vorbei kommen würde, um einen Kontrollgang zu machen, hatte ich nicht. Da? man hier unten keinen Notruf installiert hatte, versetzte mich sogar in Zorn. Im Geiste formulierte ich schon eine Reihe von Beschwerdebriefen und einen Leserbrief an die hiesige Tagespresse. Diesen Zustand empfand ich als skandalös und lebensgefährlich.

  4. Die Unterführung Teil 1

    Von Mirko Stauch

     

    Die Stadtverwaltung wei? Bescheid. Sie mu? es wissen, denn warum sonst wurde die Unterführung vor unserem Hauptbahnhof geschlossen? Es wurden nicht einfach nur die Rolltoren geschlossen und versiegelt, man hat die vier Eingänge zugemauert und die Treppen mit Beton zubetoniert, schwere Platten draufgelegt und jede Erinnerung abgetragen. Ein Fremder wird nichts mehr sehen.

    Und ich bin sicher, sie wu?ten, was sie tun. Woher auch immer soll mir egal sein, obwohl ich es lieber wü?te. Ich glaube kaum, da? die Bürger wissen, was unter ihren Fü?en haust. Wir alle werden von der Verwaltung betrogen und im Unwissen gelassen.

    Für mich ist der sicherste Platz in der Stadt der sogenannte Raddampfer, das höchste Wohnhaus mit seinen 23 Etagen. Ich habe mich dort eingemietet, in der 23. Etage. Die Wohnung klein, hellhörig, liegt am äu?ersten Rand, soweit wie möglich vom Erdboden entfernt. Der Umzug war mit Umständen verbunden, Scherereien und wie lange ich gebraucht habe, um meine Habe dort hinauf zu räumen. Man fragt sich, warum ich nicht in eine andere Stadt gezogen bin? Weil ich wei?, da? in anderen Städten das gleiche unter dem Erdboden lauert, wie ich es gesehen habe. Es kümmert mich nicht, wie andere Städte damit fertig werden; ich will nur überleben und denke nicht mehr daran, andere zu warnen. Natürlich habe ich damals die Polizei gerufen und mich an die Verwaltung gewandt. Und natürlich hat man mich nicht für voll genommen. Ich kann es verstehen. Oder sie haben meine Warnungen nicht ignoriert und erkannt, da? sie es nicht mehr zurückhalten können und deswegen die Unterführung zugeschüttet. Man hat mich für verrückt erklären wollen, drohte mir auch mit Verhaftung und Einweisung. Und das, weil sie es wu?ten. Man wird das durch diese Ma?nahme nicht zurückhalten können. Andere Wege werden sich dem öffnen, denn es geht mit Intelligenz vor und mit bösartiger Zielstrebigkeit.

    Ich meide Keller, Tiefgaragen und jeden Ort, der sich unter der Erde findet. Es gibt in dieser Stadt keine U-Bahn und ich hoffe, da? es so bleibt. Soweit es mir möglich ist, lebe ich mein Leben weiter, komme einer geregelten Arbeit nach. Da mich mein Weg zur Arbeit zwingt, die Bahn zu benutzen, die in Düsseldorf unterirdisch weitergeführt wird, steige ich vier Haltestellen vorher aus und gehe den Rest zu Fu?. Durch Quellen, über die ich nicht näher bezeichnen werde, habe ich mir eine Schu?waffe besorgt, die ich immer bei mir trage. Ob ich damit im Ernstfall etwas ausrichten kann, wei? ich nicht, aber die angenehme Schwere der Waffe verleiht mir ein beruhigendes Gefühl.

    Doch ich beobachte meine Umgebung genau, verfolge aufmerksam die Nachrichten und die studiere die Tageszeitungen, immer darauf bedacht, Meldungen zu entdecken, die mit dem Ereignis in Zusammenhang stehen können. Eingestürzte U-Bahnschächte, rätselhafte Vorgänge auf Friedhöfen, unerklärliche Geschehnisse in den Tiefgaragen und Basements der gro?en Kaufhäuser, etwas, das in der Kanalisation passiert ist, irgend etwas, das sich zugetragen hat und unter der Erde passiert ist. Neulich habe ich einen Artikel gefunden. Zwei Arbeiter der Stadtwerke, die in einem Kanal arbeiteten, mitten auf einem der Wälle im Stadtzentrum, wurden von etwas in die Kanalisation gezogen. Jedenfalls glaube ich, da? es so war, auch wenn die Zeitung das etwas harmloser ausdrückte. Man sprach dort von einem eingebrochenen Rohr, das einen Hohlraum unter der eigentlichen städtischen Kanalisation freigab. Unsere Stadt hat ein unterirdisches System von Gängen wie den Bunker in der Nähe des Rathauses, der noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammt. Durch Zufall hat man ihn bei Grabungsarbeiten wiedergefunden. Durch Zufall. Als ob die Verwaltung einen Bunker einfach vergessen würde. Schnell wurde der Bunker wieder zugeschüttet. Ein kurzer Zeitungsbericht und das war es mit dem Bunker, ohne da? jemand Fragen gestellt hat. Man hat das alles einfach übergangen. Seit einiger Zeit wei? ich auch, warum.

     

    Es war im Herbst. Im Museum gab es eine Ausstellung von Bildern eines amerikanischen Künstlers, der Ende der 20er Jahre in Boston seine Schaffenszeit hatte. Er hinterlie? ein grotesk grausames und in vielen Darstellungen derart explizites Werk, da? man die Veranstaltung für Jugendliche sperren mu?te und die konservativen Bildungsbürger liefen Sturm. Das alles interessierte mich. Ich nutzte eine späte Führung durch die Ausstellung, gegen 23 Uhr verlie? ich das Museum und ging zum Hauptbahnhof, um dort die vorletzte Stra?enbahn zu erreichen. Ich war noch völlig benommen und stand unter dem Eindruck der Grausamkeiten, die auf den Bildern zu sehen waren. Wie in Trance suchte ich mir meinen Weg und dabei verga? ich die Zeit. Natürlich war mir bekannt, da? man die Unterführung um 23.30 schlie?en würde, aber ich mu?te meinen Geist ablenken, mu?te mich wieder beruhigen und die Bilder aus meinem Geist verdrängen.

  5. Liebe cthuloide Freundinnen und Freunde:

     

    ein frohes Fest euch allen und einen cthuloiden Rutsch ins neue Jahr. The stars will be right!!!! :D

     

    La?t euch reich beschenken.

     

    http://www.nyder.com/cthulhu/graphics/xmas2.jpg

     

     

     

     

     

     

     

    Bei mir wird's endlich ruhiger im Laden. In diesem Jahr war der Stre? mal wieder gro?.

     

     

     

    http://www.ivanovas.com/photos/Wolke1.jpg

     

     

    (Ist zwar nicht mein Laden, aber immerhin)

     

     

    Also dann, man liest sich

     

    Gru?,

    Mirko Stauch

  6. Eddie R.I.P.

     

    Es rafft erstaunlich viele Wrestler in den mittleren Jahren dahin. Vermutlich liegt es an dem gewachsenen Anspruch der Zuschauer. Immer härtere und gefährlichere Stunts. Das ist schon in den kleinen Ligen zu spüren.

     

    Mirko

  7. Als Ausflugsziel für Interessierte kann ich empfehlen:

     

    http://www.buecherstadt-langenberg.de/

     

    und sehr schön, in den Niederlanden:

     

    http://www.bredevoort-boekenstad.nl/

     

    allein das Wörtchen "boekwinkels" berührt schon die Vorstellungsmembranen trefflich. Wenn ihr mal nach Bredevoort kommt, bestellt meinem Freund Ton Vincent im kleinen Antiquariat AVE-Boeken in der Hozenstraat einen schönen Gru? von mir. Seht euch seinen Laden an. Wundervoll.

     

    Gru?,

     

    Mirko

  8. Also das ist schwierig. Grundsätzlich sind Antiquare knausrige Menschen, die einen immer über den Tisch ziehen. Ich würde es in der Tat selbst versuchen. In einem Laden oder bei einem Ankäufer, der in der Zeitung inseriert, hast Du keine Chance. Au?erdem sind die Preise für gebrauchte / antiquarische Bücher im Keller. Damit wirst Du nicht viel verdienen, es sei denn, Du hast einen besonderen Schatz dabei. Die meisten Menschen überschätzen den Wert ihrer Bücher. Genaues Fachwissen ist gefragt. Nicht weil es in Fraktur gedruckt ist, ist es automatisch ein altes wertvolles Buch. Das Gegenteil trifft zu. Man mu? sich auskennen. Alles nach 1850 ist nicht wirklich alt.

    Gewinnbringend kannst Du dir jedenfalls abschminken, wenn Du einen Antiquar aufsuchst.

    Versuche es lieber bei abebooks, antiquaria etc. Es ist vielleicht gut, sich einen ?berblick über die Preise zu verschaffen; das kannst Du z.B. bei

     

    http://www.zvab.com/SESSz203166975711131012684/gr2/de/index.html

     

    Ein wenig Grundwissen:

     

    http://www.antikwariat.de/glossar/index.asp

     

    http://www.stenderhoff.com/de/service_glossar.asp

     

    Und das hier ist ein sehr wichtiger Link:

     

    http://www.antiquare.de/de/fbuchkunde.htm

     

    interessant für alle... :D

     

    Wenn Du wirklich Gewinn machen willst, ergreife die Initiative: Trödelmärkte, ZVAB, Suchanzeigen. Es ist mit viel Mühe verbunden, ein Buch an die Käufer zu bringen. Das ist schon im normalen Buchhandel so. Kann ich ein Lied von singen.

     

    Gru?, Mirko

  9. @ 7th Guest

     

    Genau!!! Von mir war das ja auch nicht böse gemeint... :D

    Im Grunde sind wir alle hier doch Kumpels und einen ironischen Unterton kann man einfach nicht schreiben , nur andeuten....

    Würden wir uns in der Kneipe darüber unterhalten, wü?ten wir beide ja, wie's gemeint war, oder?

     

    Freundliche (nicht ironisch) Grü?e an alle Ktulu-Kumpels

     

    Mirko ;););););)

  10. Du sagst es. Wir haben auch nur den mainstream, was mir persönlich ordentlich auf die Nerven geht, vor allem, weil das Publikum entsprechend sortiert ist. Die wirklich interessanten Sachen kann man nur aufstöbern. In Berlin soll es ein Spezialsortiment geben. Dessen Besitzer allerdings glaubt diesen "Lovecraft war Mitglied eines magischen Zirkels und das Necronomicon ist echt" Humbug.

     

    Gru?,

    Mirko

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